Big in 日本

Things are easy when you're big in Japan


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Sayonara

„Die Zeit fliegt schneller als ein Pfeil“ – die Worte des Zen-Meisters Dogen hallen in meinen Ohren, während ich meine letzten Sachen in den Koffer packe. Der Abschied von Japan und all den wunderbaren Menschen, die ich hier kennenlernen durfte, kommt viel zu früh. Doch wenn ich auf die zahllosen Erlebnisse und Erfahrungen der letzten Monate zurückblicke, kann ich kaum fassen, dass es nur ein halbes Jahr war. Die Zeit in Fernost war die schönste und bewegendste in meinem Leben und ich kann es kaum erwarten, wieder hierher zurückzukehren.

Bei den fleißigen Leserinnen und Lesern meines Blogs möchte ich mich herzlich bedanken, es hat mir großen Spaß gemacht, meine Erlebnisse auf diese Weise mit euch zu teilen. In den nächsten Wochen wird noch der eine oder andere Eintrag folgen – sechs Monate waren einfach zu kurz, um all die Erfahrungen in Worte zu fassen.

Mit den ersten roten Blättern des Herbstes bin ich gekommen und mit den ersten Frühlingsblüten muss ich wieder gehen. In diesem Sinne möchte ich mich nicht mit großen Worten, sondern mit einem weiteren Beispiel für die Schönheit Japans verabschieden.

Sayonara, Nihon – oder doch: mata ne?

Die ersten Pflaumenblüten im Kitano Tenmangu Schrein.

Die ersten Pflaumenblüten im Kitano Tenmangu Schrein


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Die glorreichen Sieben

Die glücklichen Pilger

Die glücklichen Pilger

Glück ist etwas, wovon man im Leben nie genug haben kann. Das ist auch in Japan eine altbekannte Weisheit. Aus diesem Grund gibt es hier nicht nur einen, sondern gleich sieben Glücksgötter, die sich um alle Facetten des Glücks kümmern. Egal ob man sich eine Gehaltserhöhung oder flinkere Finger zum Klavierspielen wünscht, ein Gebet zu den „Shichi Fukujin“ ist nie verkehrt. Das Ensemble der glücksbringenden Gottheiten, das während der Muromachi-Zeit (1336-1573) zusammengestellt wurde, erfreut sich bis heute großer Beliebtheit in Japan und ist in fast allen Geschäften und Wohnungen anzutreffen.

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Drei Tage Zen

Zazen

Zazen

Vorne auf dem Kissen Platz nehmen und die Beine übereinanderschlagen, wenn möglich den Lotossitz einnehmen. Dann den Rücken lang strecken, das Becken nach vorn schieben und eine Haltung einnehmen, so stabil und majestätisch wie der Berg Fuji. Jetzt die linke Hand in den Schoß legen. Die rechte Hand ruht in der linken, die Daumen berühren sich sanft, so als würde man Buddha selbst in den Händen halten. Die Augen bleiben halb geöffnet, der Blick ist nach unten gerichtet, ohne Fokus. Nun tief aus- und wieder einatmen, aus dem Unterleib heraus. Die gesamte Aufmerksamkeit gilt der Atmung, das mentale Wirrwarr aus Gedanken, Bildern, Emotionen ist nicht mehr von Bedeutung; man lässt es vorbeiziehen, wie Wolken am Sommerhimmel.

Die Praxis des Zazen, der stillen, gegenstandslosen Meditation, gilt im Zen-Buddhismus als zentraler Pfad zur Erleuchtung. „Wer sitzt wie ein Buddha, ist auf dem Weg zum Buddha“, heißt es. Dennoch besteht das Leben in Zen-buddhistischen Tempeln und Klöstern nicht nur aus Sitzen. Egal ob Essen oder Staubsaugen, der Alltag selbst ist Training und dient der Kultivierung von Achtsamkeit. Was das konkret bedeutet, davon konnte ich mir bei einem dreitägigen Aufenthalt in einem Zen-Tempel selbst ein Bild machen. Weiterlesen


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Reisetagebuch (9): Im Grabsteinwald

Geisterstunde

Geisterstunde

Während meine Finger durch die letzten Seiten des kleinen roten Reisetagebuchs blättern, blicke ich auf meine Armbanduhr, deren Zeiger beide nach oben gerichtet sind – zwölf Uhr, Geisterstunde. Ein leichtes Schaudern geht durch meinen Körper und meine Gedanken wandern zum letzten Kapitel meiner Reise durch Japan, das mich an einen gespenstischen Ort führte: den heiligen Berg Koya. Der Gipfel des unweit von Osaka gelegenen Berges ist das Zentrum der buddhistischen Shingon-Schule und die letzte Ruhestätte des berühmten Stifters Kukai, dem allerlei Wundertaten nachgesagt werden. Doch wer das hochheilige Mausoleum aufsuchen möchte, darf nicht zimperlich sein: Der Pfad hierher führt durch einen Wald aus Grabsteinen, auf dem die Geister der Verstorbenen jeden Schritt genau beobachten… Weiterlesen


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Reisetagebuch (7): Im Reich der Schneehasen

Ein Yuki Usagi

Ein Yuki Usagi

Dunkelrote Augen, lange grüne Ohren, ein unförmiger Körper – sobald es in Japan zu schneien beginnt, wagen sich seltsame Wesen auf die Straßen und werfen vorbeiziehenden Wanderern neugierige Blicke zu. Wenn der Schnee nicht zu fallen aufhört, vermehren sie sich rasant und sind bald in ganzen Rudeln anzutreffen. Doch trotz ihres furchteinflößenden Äußeren sind die Yuki Usagi in der Regel harmlos. Ich spreche aus Erfahrung, denn obwohl es mich auf dem letzten Abschnitt meiner Reise in den schneebedeckten Norden Japans verschlagen hat und ich vielen Exemplaren dieser merkwürdigen Kreaturen begegnet bin, konnte ich stets mit heiler Haut davonkommen. Weiterlesen


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Reisetagebuch (6): Der Mond in der Pfütze

Während meine Finger weiter durch das kleine Reisetagebuch blättern, schaue ich auf und blicke aus dem Fenster. Inzwischen ist es Nacht geworden und zwischen grauen Wolkenfetzen strahlt ein heller Vollmond. Der Anblick erinnert mich an ein Zitat von Dogen Zenji, der die Erleuchtung mit dem Mond verglichen hat, der sich selbst in der kleinsten Pfütze in all seiner Pracht spiegeln könne, ungetrübt und unaufhaltsam. Vom berühmten Zen-Meister wandern meine Gedanken weiter zu einem schneebedeckten Tempel inmitten dichter Bergwälder: Eiheiji. Einst kaum mehr als eine unbedeutende Enklave inmitten der Einsamkeit Nordwestjapans, ist das Zentrum der von Dogen begründeten Zen-buddhistischen Soto-Schule heute eine imposante Anlage, die jährlich zahllose Touristen und Pilger anlockt. Keine Frage, dass auch ich einen meiner Reisetage jenem berühmten Tempel gewidmet habe.

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Reisetagebuch (5): Ebbe und Flut

Der glückliche Tourist

Der glückliche Tourist

Mit laut dröhnenden Motoren bahnt sich die Fähre ihren Weg über die Seto-Inlandsee. Trotz der kalten Meeresluft stehe ich an der Reling und blicke unserem Ziel entgegen. Ein bisschen fühlt es sich an wie eine Pilgerreise, immerhin werde ich in wenigen Augenblicken eine heilige Insel betreten. Aus Furcht vor Unreinheit dürfen hier bis heute keine Menschen beerdigt werden und erst seit dem 20. Jahrhundert ist Frauen der Zugang erlaubt. Noch dazu gilt die Insel als einer der schönsten Orte Japans, wird jedes Jahr von Touristenmassen heimgesucht und ist seit 1996 UNESCO Weltkulturerbe. Plötzlich geht ein Ruck durch das Schiff und reißt mich aus meinen Gedanken. Wir sind da. Langsam nähere ich mich dem Bug der Fähre und dann betrete ich sie, die heilige Insel: Miyajima.

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Reisetagebuch (4): Kulturschock

Der Hakata Port Tower

Der Hakata Port Tower

Wildes Nachtleben, überfüllte Einkaufsmeilen, gesellige Essensbuden – der nächste Halt auf meiner Reise hieß Fukuoka und sollte das Kontrastprogramm zur Stille der vergangenen Woche sein. Mit rund 1,5 Mio. Einwohnern ist die Hafenstadt im Nordwesten Kyushus das wirtschaftliche Zentrum der Insel und genießt in ganz Japan den Ruf einer Partymetropole. Bei meiner Ankunft litt ich zunächst unter einem regelrechten Kulturschock: Statt unberührter Wälder ragten nun wieder riesige Wolkenkratzer in den Himmel empor, statt der Einsamkeit des Berges umringten mich die vorbeidrängenden Menschenmassen und statt meditativer Stille dröhnte laute Musik aus allen Ecken. Von der Situation überfordert, machte ich zunächst einen langen Spaziergang zum riesigen Hafen der Stadt und blickte im Schein des vollen Mondes auf die See. Anschließend fuhr ich den Hakata Port Tower hinauf und genoss die Sicht auf ein anderes Meer, die zahllosen Lichter Fukuokas. Weiterlesen


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Reisetagebuch (3): Eine Woche Stille

Shinmeizan

Shinmeizan

Die nächsten Seiten in meinem Reisetagebuch sind dicht beschrieben und mir gelingt es nur langsam, mich durch die Bleiwüste zu kämpfen. Die eng aneinander gereihten Buchstaben erzählen von einer Zeit, die viel in mir bewegt hat und für deren Beschreibung ich entsprechend viele Worte gebraucht habe. Doch keine Angst, dieser Eintrag ist kein philosophisches Manifest, denn rückblickend lassen sich all die intensiven Erfahrungen, Einsichten und Ideen jener sieben Tage in nur einem Wort zusammenfassen: Stille.

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